Globale Themen

Kein Kontrollverlust

USD

EUR USD (1,1240)

Es soll Kommentare gegeben haben, in denen die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank vom vergangenen Donnerstag als Panikreaktion bezeichnet wurden. Doch der Panik-Begriff wird hier möglicherweise ein bisschen leichtfertig verwendet, bedeutet er doch, dass der EZB-Rat unter dem Einfluss eines kollektiven Kontrollverlustes über die ökonomische Lage in der Eurozone stand, als er jene Beschlüsse fasste. Nicht umsonst machte EZB-Chef Mario Draghi deutlich, dass der EZB-Rat vorausschauend handeln und nicht nur reagieren wollte. Dass die gesenkten Wachstums- und Inflationsprognosen des volkswirtschaftlichen EZB-Stabs viele Analysten derart überraschte, mag auch darin liegen, dass in den Wochen zuvor einige Ratsmitglieder sich relativ entspannt über die ökonomische Situation in der Eurozone ausgelassen hatten. So ist es etwa nicht einmal vier Wochen her, dass nicht nur der Chef der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, den Eindruck hinterließ, die EZB würde sich womöglich bis zum Sommer Zeit lassen, um über die Leitzinsen zu entscheiden.
Ungewöhnlich ist allerdings, dass die Risiken für Wachstum und Inflation bei dem nunmehr deutlich gesenkten Ausblick immer noch nach unten gerichtet sind. Denn normalerweise würde man erwarten, dass nach einer derartigen Änderung die Risiken für den Ausblick – darauf machte Mario Draghi explizit aufmerksam – ausgeglichen seien.
Die nächste Überraschung mussten Devisenhändler schließlich am Freitag verarbeiten, als der US- Arbeitsmarktbericht für Februar publiziert wurde. Denn der Zuwachs der Stellen im Nicht-Agrarbereich (Nonfarm Payrolls) fiel mit +20.000 wesentlich geringer als erwartet (Konsensprognose +180 Tsd.) aus. Im Vormonat lag dieser Stellenzuwachs noch bei satten 311 Tsd. (revidiert von 304 Tsd.). So gesehen stellen die schwachen Februar-Zahlen bis jetzt eine gewisse Relativierung dar. Die jüngsten Daten passen auch nicht zu den zwei Tage zuvor publizierten Zahlen der privaten Arbeitsmarktagentur ADP, die immerhin noch einen Zuwachs von 180 Tsd. Stellen für Februar publiziert hatte. Neben den ohnehin recht volatilen Nonfarm-Payrolls zeigte der Arbeitsmarktbericht auch Positives. So ist etwa die Arbeitslosenquote auf 3,8 Prozent (Medianerwartung: 3,9 %) gefallen, und die durchschnittlichen Stundenlöhne sind mit +3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Februar nicht nur stärker als erwartet, sondern so deutlich wie zuletzt im April 2009 gestiegen. Zum Wochenschluss konnte sich der Euro immerhin etwas erholen und kehrte in seine frühere Konsolidierung (1,1215-1,1585) zurück. Die Gemeinschaftswährung bleibt allerdings unter Druck, solange 1,1325/30 nicht überwunden wird. Für einen neuen Abwärtstrend mit anfänglichem Potenzial bis 1,0995/00 muss zurzeit allerdings nach wie vor die (leicht modifizierte) Unterstützung von 1,1165/70 unterlaufen werden.

GBP

EUR GBP (0,8655)

Auch zum Wochenschluss hat sich der Eindruck verdichtet, dass sich die Vertreter Großbritanniens und der EU hinsichtlich des Brexit-Abkommens inhaltlich kaum aufeinander zubewegen wollen. Zwar hatte EU-Chefunterhändler Michel Barnier hinsichtlich der Notfalllösung für die Grenze zwischen Irland und Nordirland, dem sogenannten Backstop, einen (nicht ganz) neuen Lösungsvorschlag unterbreitet. Dieser sieht vor, dass Großbritannien einseitig den Backstop-Fall beenden könne, Nordirland allerdings selbst dann weiterhin unter diese Notfalllösung fallen würde. In der Praxis würde dies bedeuten, dass Nordirland rechtlich anders gestellt wäre als das übrige Vereinigte Königreich. Mit anderen Worten: Zwischen Nordirland und dem britischen Festland würde eine Grenze entstehen. Und dass diese nicht akzeptiert werden kann, wurde sofort deutlich: Sogenannten Quellen zufolge soll Großbritannien das Angebot der EU bereits am vergangenen Freitag umgehend zurückgewiesen haben.
Zum Wochenschluss präsentierte sich Sterling daher sowohl dem Dollar als auch dem Euro gegenüber in schwacher Verfassung. Dabei konnte sich die Gemeinschaftswährung abermals so weit erholen, dass der Trendwiderstand von 0,8645/50 bereits am Freitag beinahe überwunden worden wäre. Gestern Nacht in Sydney war es dann soweit: Sterling schwächte sich in der Eröffnungsbewegung nochmals ab und sorgte dafür, dass der Abwärtstrend des Euro beendet wurde. Dieser bewegt sich nun stabilisiert zwischen 0,8520 und 0,8840 in einer – dies mag der morgigen Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus geschuldet sein – weit gesteckten neutralen Zone.

CHF

EUR CHF (1,1335)

Während sich der Euro gegenüber anderen Valuten am Freitag erholen konnte, fiel die Korrektur gegenüber dem Franken ausgesprochen spärlich aus. Möglicherweise, weil die Gemeinschaftswährung zuvor den niedrigsten Kurs seit dem 28. Januar markiert hatte. Dennoch bleibt der Euro in seiner derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 gefangen.

CZK

EUR CZK (25,63)

Das Mitglied des Geldpolitischen Rates der Tschechischen Nationalbank (CNB) Tomáš Holub machte am Freitag noch einmal deutlich, dass die Zentralbank die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank auch bei ihren eigenen Beschlüssen berücksichtigen werde. Und da die Vorhersagen für Wachstum und Inflation in der Eurozone für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen wurden, erscheint es fraglich, ob es tatsächlich in diesem Jahr wie vielerorts erwartet noch zu zwei weiteren Zinserhöhungen der CNB kommen wird. Dennoch: Holub geht weiterhin davon aus, dass es Spielraum für ein bis zwei Zinsschritte in diesem Jahr gebe. Dennoch hat sich die Krone am Freitag abgeschwächt und damit dem Euro innerhalb seines leichten Abwärtstrends zwischen 25,69 und 25,52 etwas korrektiven Auftrieb gegeben.

PLN

EUR PLN (4,3000)

Die Schwächetendenz der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Zloty wurde am Freitag noch einmal bestätigt, als der Euro seinen Vortagesgewinn fast komplett wieder abgeben musste. Nach wie vor verhindert allerdings an der Unterseite eine Unterstützung bei 4,2930, dass sich weiterer Abgabedruck in Richtung 4,2805 (deutlich geringerer Spielraum!) entfalten kann. Im Rahmen der leichten Euroschwäche darf 4,3180 nun nicht mehr überwunden werden.

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