Globale Themen

Mehr als krachend

USD

EUR USD (1,1410)

Natürlich lag das Hauptaugenmerk der Devisenhändler gestern auf der Brexit-Abstimmung. Dies soll aber nicht heißen, dass es keine Bewegung im Euro gegeben hätte. Haupttreiber für eine vorübergehende Schwäche der Gemeinschaftswährung dürften die vorläufigen Wachstumsdaten für Deutschland gewesen sein, die das Statistische Bundesamt gestern veröffentlichte. Danach legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu. Dies ist weniger als das Wachstum von jeweils 2,2 Prozent in den beiden Jahren zuvor, bedeutet aber das neunte Wachstumsjahr in Folge. Immerhin: Im vierten Quartal dürfte die Wirtschaft noch gewachsen sein, womit voraussichtlich eine sogenannte technische Rezession – dies ist der Fall, wenn das BIP zwei Quartale hintereinander sinkt – in Deutschland noch einmal knapp vermieden wurde. Dennoch dürften die Alarmglocken mancherorts schrillen, denn Deutschland wird als Anker für das Wachstum Europas gesehen, dessen andere große Volkswirtschaften Großbritannien, über Frankreich bis hin zu Italien enorme politische und ökonomische Herausforderungen meistern müssen. Gerade was Italien angeht, erwarten Ökonomen und Kommentatoren, dass dessen BIP im vierten Quartal noch einmal geschrumpft ist und somit die Voraussetzung einer technischen Rezession erfüllt wären. Wir erinnern uns, dass die italienische Regierung im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit der EU-Kommission über die Neuverschuldung zuletzt zwar ihre Wachstumsprognose von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt hatte. Aber angesichts der jüngsten Entwicklung ist selbst diese Prognose viel zu optimistisch.
Interessantes brachte gestern aber auch die jüngste Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch (per 10. Januar) zu Tage, wonach Dollar-Long-Positionen wie bereits im Dezember als beliebtestes Engagement („most crowded trade“) eingeschätzt wurden. Dahinter verbergen sich vermutlich jedoch nicht zwingend eigene Engagements der Fondsmanager, sondern vielmehr eine Bewertung der Positionen der „Anderen“ im Markt. Dass vielen der Befragten ein starker Dollar nicht in den Kram passt, zeigt sich darin, dass die Fondsmanager zuletzt den Greenback gleichzeitig so überbewertet wie zuletzt im Jahr 2002 gesehen haben. Mit anderen Worten: Man hofft – im Gegensatz zu den bullishen Kollegen, die „natürlich falsch liegen“ – offenbar vielerorts auf einen fallenden Dollar. Diese Denkweise hat sich jedoch gegenüber dem Euro noch nicht in fallenden Kursen durchgesetzt. Dieser könnte zwar seinen begonnenen schwachen Aufwärtstrend mit Perspektive bis 1,1560/1,1610 (modifiziert) noch mit niedrigem Momentum fortsetzen. Allerdings bleibt das Risiko einer Fehlentwicklung immer noch relativ hoch, und ein Versagen unserer gestern getesteten Unterstützung bei 1,1380 würde anschließend die Unterseite im Kursbild des Euro relativ ungeschützt mit Potenzial bis 1,1215 (darunter bis 1,1080) öffnen.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Angesichts der gestern mit Spannung erwarteten Abstimmung zum Brexit-Abkommen im britischen Unterhaus, bei der fast alle Devisenakteure davon ausgegangen sein dürften, dass Theresa May eine mehr oder weniger deutliche Abstimmungsniederlage würde hinnehmen müssen, dürfte es unter den Händlern wie selten zuvor Unsicherheit hinsichtlich des daraus resultierenden Kursverlaufs für Sterling gegeben haben. Denn selbst wenn man den Stimmenvorsprung, mit dem die britische Premierministerin die sogenannte „meaningful vote“ verloren hat, im Vorhinein genau hätte beziffern können – eine profitable Prognose daraus abzuleiten wäre vermutlich unmöglich gewesen. Und so war der beste Rat vermutlich der gewesen, sich während und kurz nach der Abstimmung möglichst aus dem Kursgeschehen herauszuhalten.
Nun war die Niederlage von Theresa May mehr als krachend, denn das britische Parlament hat das Brexit-Abkommen mit einer Mehrheit von 230 Stimmen (432 zu 202 Stimmen) abgelehnt. Abgesehen davon, dass nun Theresa May drei Tage Zeit hat, einen Plan B vorzulegen, ist es die natürliche Konsequenz, dass Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn für heute ein Misstrauensvotum vorgeschlagen hat. Ein Misstrauensvotum, das die Premierministerin vermutlich gewinnen dürfte, da weder die konservativen Torys noch die nordirische DUP – sie hat bereits angekündigt, sie werde die Regierung unterstützen – an Neuwahlen interessiert sein dürften. Und sollte Theresa May das Misstrauensvotum überstehen, will sie mit den Oppositionsparteien Gespräche aufnehmen. May, die nach wie vor nicht zurücktreten möchte, machte indes ein vielsagendes Statement. Danach habe die gestrige Abstimmung keine Antwort darauf gegeben, wofür [aber eine Antwort darauf, wogegen] das Parlament eigentlich tatsächlich sei.
Und so sollte es auch nicht überraschen, dass für die Devisenhändler gestern keine Klarheit darüber herrschte, wie es in Sachen Brexit weitergeht – wir wissen nun lediglich, wogegen die Mehrheit des Unterhauses gestimmt hat. Zwar erlitt Sterling einen kurzzeitigen Schwächeanfall, aber am Ende des Tages erholte sich das britische Pfund und beließ den Euro sogar in leicht schwächerer Verfassung als am Vortag innerhalb seiner unverletzten Konsolidierungszone zwischen 0,8825/30 und 0,9090.

CHF

EUR CHF (1,1280)

Auch gestern vermochte es das Währungspaar nicht, einen richtungsweisenden Impuls auszulösen. Vermutlich auch aufgrund fehlender neuer Wirtschaftsdaten. Aber im Vorfeld der Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus waren noch nicht einmal Tendenzen der Händler in Richtung Risikoaversion oder Risikofreude sichtbar. Und so blieb der Euro gegenüber dem Franken mit einer Handelsspanne von nicht einmal 50 Stellen in seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1210 und 1,1350.

PLN

EUR PLN (4,2910)

Die endgültigen Inflationszahlen Polens für den Monat Dezember entsprachen mit einem Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr der ersten Schätzung, so dass sich für den Zloty gestern kein Überraschungsmoment ergab. Damit bewegt sich die Gemeinschaftswährung weiterhin innerhalb ihrer Konsolidierung zwischen 4,2770 und 4,3080.

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