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Nicht gut „verkauft“?

USD

EUR USD (1,1525)

Eine interessante Beobachtung: Wenn man sich noch einmal das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) anschaut und mit der Pressekonferenz direkt im Anschluss an die Fed-Sitzung am 18./19. Dezember vergleicht, müssten einem Zweifel kommen. Zweifel daran, dass diese sogenannten „Minutes“ tatsächlich die Stimmung im FOMC während der Dezember-Sitzung angemessen wiedergeben.
Wir erinnern uns: In der Pressekonferenz klang die Kommentierung von Fed-Chef Jerome Powell nicht danach, als ob der FOMC den Zyklus der Zinserhöhungen für längere Zeit unterbrechen wolle. Zwar zeigten die [Zins]-Projektionen einen moderat niedrigeren Zinspfad, aber auf der anderen Seite, so Powell damals, gäbe es eine größere Gruppe von [FOMC-Mitgliedern], die nach wie vor von drei Zinserhöhungen im Jahr 2019 ausgehen würde. Und so waren nicht nur die Devisenhändler, sondern vor allem die Aktienmärkte noch vor drei Wochen der Überzeugung, die Fed habe sich falkenhafter als gedacht geriert. Im besten Fall konnte man die Zinserhöhung vom Dezember als „dovish hike“ interpretieren, eine Zinserhöhung mit taubenhaften Unterton also. Noch Stunden vor Beginn der damaligen Sitzung des FOMC hatte sich US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet und den Offenmarktausschuss dazu angehalten, keinen „weiteren Fehler“ zu begehen. Stattdessen solle die Fed den Markt „erfühlen“. Damit hatte US-Präsident Donald Trump nicht nur erneut einen Versuch unternommen, die Fed massiv zu beeinflussen, sondern vor allem für die Finanzmarktakteure einen hohen psychologischen Referenzpunkt gesetzt. So gesehen mussten die Händler und Kommentatoren die Notenbank, angeführt durch ihren Chef Jerome Powell, samt der von ihnen beschlossenen Zinserhöhung als relativ falkenhaft wahrnehmen.
Allerdings vermitteln das Protokoll und die Kommentare zu eben jener Sitzung den Anschein, als habe sich alles viel taubenhafter abgespielt. Denn nun wirkt es so, als ob sich viele Fed-Entscheider – nicht zuletzt wegen der teils heftigen Entwicklung an den US-Aktien- bzw. Anleihemärkten und der damit verbundenen gestiegenen globalen Wachstumssorgen – bei weiteren geldpolitischen Straffungsmaßnahmen zunächst „in Geduld“ üben wollten. Und so entsteht unweigerlich der Eindruck, Jerome Powell habe in der Pressekonferenz den Finanzmärkten den sogenannten „dovish hike“ schlecht „verkauft“. Oder wollte der Fed-Präsident damit demonstrieren, dass er dem Druck Donald Trumps nicht sofort Folge zu leisten bereit war?
Und die so genannten Minutes? Wie Vincent Reinhard, ein früherer Leiter der Abteilung für geldpolitische Angelegenheiten bei der Fed, erklärte, sei das Protokoll nicht als ein exaktes Transskript jener Sitzung zu verstehen. Die wortwörtliche Mitschrift werde vielmehr erst Jahre später veröffentlicht. Und so drängt sich einem die Vermutung auf, dass bei aller Wahrheitstreue möglicherweise durch eine bestimmte Wortwahl oder Betonung Sachverhalte, die bei der ursprünglichen Sitzung des FOMC eventuell nicht richtig „rüberkamen“, nachträglich in ein anderes Licht gerückt wurden.
All dies ändert allerdings nichts daran, dass innerhalb des Offenmarktausschusses seit jener FOMC-Sitzung ein Umdenken stattgefunden haben mag, das mancherorts wohl zu dem (vorschnellen) Schluss geführt hat, dass es in diesem Jahr überhaupt keine US-Leitzinserhöhungen mehr geben wird. Der Euro hat indes seinen gestern begonnenen leichten Aufwärtstrend mit Potenzial bis 1,1585/1,1625 (darüber 1,1720/25) nicht mit der Vehemenz des Vortages fortsetzen können. Nach wie vor besteht das Risiko einer Fehlentwicklung, die unterhalb von 1,1380 bestätigt würde. Denn auch in der Eurozone – dies wird aus dem gestern veröffentlichten Protokoll der letzten EZB-Sitzung aus dem vergangenen Jahr deutlich – sind die Wachstumsrisiken derzeit höher als die -chancen.

GBP

EUR GBP (0,9030)

Zumindest in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer war es gestern der Tag von Jeremy Corbyn. Der Labour-Chef machte nicht nur deutlich, dass er für den Fall, dass das Brexit-Abkommen am kommenden Dienstag im Unterhaus nicht die erforderliche Mehrheit bekäme, möglicherweise die Vertrauensfrage stellen könnte, um so den Boden für Neuwahlen zu bereiten. Aber auch die Möglichkeit, das Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wollte der Oppositionsführer in seiner gestrigen Rede nicht ausschließen. Tatsächlich scheinen sich die Pfund-Händler auf eine Verschiebung des Brexit-Termins einzurichten. Dies vermittelt zumindest der Optionsmarkt, in dem sich das Absicherungsinteresse gegen eine Pfund-Schwäche von der Dreimonats- auf die Neunmonatsfälligkeit verschoben hat. Unterdessen hat der Euro auch gegenüber dem Pfund etwas von seiner Robustheit eingebüßt, bleibt aber ganz klar im der oberen Drittel seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8830 und 0,9090.

CHF

EUR CHF (1,1330)

Es war sicherlich nicht eine Eurostärke, sondern eine deutliche Frankenschwäche, die das Währungspaar gestern beherrschte. Da die Kursentwicklung fast ohne Gegenreaktion verlief und die Gemeinschaftswährung bis zum Ende der europäischen Handelssitzung den größten Tagesgewinn seit Oktober vergangenen Jahres zeitigte, gab es unter den Händlern Spekulationen, ob nicht sogar die Schweizerische Nationalbank gegen den Franken interveniert habe. Immerhin hat die stete Nachfrage dafür gesorgt, dass der Euro im Rahmen seiner Konsolidierung zwischen 1,1210/15 und 1,1355, deren Unterseite noch am Mittwoch getestet wurde, nun mühelos das wichtige Niveau bei 1,1280 überwinden konnte. Die Folge: Ein Test der Oberseite des Feldes ist nun wahrscheinlich, möglicherweise ist sogar eine etwas stärkere Aufwärtsbewegung des Euro angezeigt.

PLN

EUR PLN (4,2950)

Der Euro unternahm gestern wieder einmal einen Ausflug in Richtung der Obergrenze seiner derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 4,2770 und 4,3080. Allerdings reichte das kurz davor befindliche Angebot aus, um die Gemeinschaftswährung sogar unter ihr Ausgangsniveau zu drücken. Neue ökonomische Daten blieben gestern jedenfalls Mangelware.

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