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Von runden Zahlen und Ankern

USD

EUR USD (1,1565)

Obwohl gestern die italienische Budget-Problematik etwas in den Hintergrund trat, gab es doch Nachdenkenswertes zu berichten. Nicht etwa, weil der stellvertretende Premierminister Matteo Salvini zum x-ten Male beteuerte, er werde am Haushalt und der Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2019 festhalten. Vielmehr scheint der Chef der Lega Nord ein Faible für runde Zahlen zu haben. Genauso wie am Vortag bereits Finanzminister Giovanni Tria. In einer Rede vor dem italienischen Parlament stellte nämlich der Finanzminister eine rhetorische Frage, was denn passieren würde, wenn der Spread (gemeint ist der Renditeabstand zwischen zehnjährigen italienischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit) 500 Basispunkte erreichen würde. Die Antwort ist hinlänglich bekannt: Die Regierung werde alles Nötige tun, wie es EZB Präsident Draghi gemacht habe. Viel interessanter als diese Antwort selbst war aber die von Tria genannte runde Zahl von „500". Ohne es vermutlich zu wissen, hatte der Finanzminister einen klaren Anker gesetzt, wann in Italien der Krisenfall einsetzen würde. Ein Anker, der dummerweise die Eigenschaft besitzt, für Investoren als Referenzpunkt zu gelten. Denn wenn „500“ für Krise steht, so mag mancher Investor räsoniert haben, dann beginnt bei „400“ Basispunkten (ebenfalls eine runde Zahl und daher leicht zu merken) so etwas wie die Gefahrenzone. Und es sind genau diese 400 Basispunkte, die auch Matteo Salvini gestern als Referenzpunkt genommen hatte. Ein Niveau, das, so lautetet seine Antwort auf die Frage eines Journalisten, auf keinen Fall überschritten werde. Ein gewagter Spruch, zumal Salvini den jüngsten Anstieg bei den Renditen italienischer Staatsanleihen den Spekulanten, wie er sie nannte, anlastet. Im Devisenhandel der vergangenen Jahrzehnte mussten wir mehrfach die leidvolle Erfahrung machen, dass bestimmte Marktniveaus, sofern sie erst einmal genannt werden, für die Marktakteure, die sogenannten Spekulanten, eine fast schon magische Anziehungskraft besitzen. Denn es gibt durchaus Marktteilnehmer, die herausfinden möchten, was an einem solchen Referenzpunkt passiert. Das wohl bekannteste Beispiel für dieses Phänomen ist die Spekulation von George Soros, der im Jahre 1992 gegen das britische Pfund und dessen explizit genannte Verteidigungslinie des damaligen Europäischen Währungsverbundes im Markt gewettet und am Ende die Bank of England zur Aufgabe der Verteidigungslinie gezwungen hatte.
Nun ist es gestern zum Glück noch nicht zu einem Test der 400-Basispunkte-Linie gekommen. Im Gegenteil: Der eingangs erwähnte Spread verringerte sich im Tagesverlauf sogar und fiel unter die 300er Linie zurück. Dies mag wohl auch der Grund gewesen sein, warum der Euro sich gestern erholen konnte. Überhaupt präsentierte sich die Gemeinschaftswährung angesichts der deutlichen Aktienkursverluste dies- und jenseits des Atlantiks nicht gerade im Modus einer Risikoaversion. Und wie von uns gestern bereits gemutmaßt, ist der jüngst eingeschlagene Abwärtstrend derzeit alles andere als überzeugend. Deswegen hat sich dessen kurzfristiges Potenzial bereits heute auf 1,1310 verringert. Auf der anderen Seite droht bereits mit Überschreiten von 1,1575 ein Dynamikverlust, während die Trendobergrenze knapp 100 Punkte höher verläuft.

GBP

EUR GBP (0,8740)

Obgleich es bei den Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU derzeit hin und her geht, zeigen sich die Akteure ausgesprochen optimistisch. Je nach Stimmungslage zitieren Medien sogenannte zuverlässige Quellen aus der EU-Kommission und melden vereinzelte Fortschritte, schwierige Verhandlungen, Einigung in wichtigen Fragen oder dass man „kurz vor dem Durchbruch“ stehe. Zumindest ist seit dem Parteitag der britischen Conservative Party etwas mehr Dynamik in die Verhandlungen gekommen, wobei das Positive in der Wahrnehmung der Sterling-Händler eindeutig überwiegt. Dazu hat auch ein Artikel in der britischen „Times“ beigetragen. Danach ist eine Gruppe von etwa 30 Labour-Abgeordneten bereit, einen Brexit-Deal im Sinne des Chequers-Abkommen im Unterhaus in letzter Konsequenz zu unterstützen, um einen Brexit ohne Abkommen zu vermeiden. Eine Absicht, die vor allen Dingen dann ins Gewicht fiele, wenn Theresa May innerhalb der eigenen Partei nicht auf alle Stimmen zählen könnte. Die Angelegenheit ist insofern pikant, als beim Labour-Parteitag in Liverpool erst kürzlich der Eindruck entstand, die Premierministerin könne auf keine einzige Stimme aus der Labour-Opposition zählen. Nun sieht es so aus, als ob zumindest einige Abgeordnete sich im Zweifel dem Fraktionszwang entziehen wollten.
Und so präsentierte sich das britische Pfund auch gestern in glänzender Verfassung und sorgte dafür, dass der Euro in seinem Abwärtstrend mittlerweile seit mehr als einer Woche unter Druck steht. Dabei reicht das Potenzial an der Unterseite nunmehr bis 0,8680. Allerdings verbunden mit dem Risiko einer heftigen Gegenbewegung (ggf. bis 0,8845/50), sofern die Brexit-Optimisten enttäuscht werden sollten.

EUR

EUR CHF (1,1400)

Zwar gab es gestern keine ökonomisch relevanten Neuigkeiten aus der Schweiz, aber immerhin nahmen wir anfangs sogar eine gewisse Risikofreude der Akteure zur Kenntnis. Denn der Euro war gegenüber dem Franken erneut gestiegen. Allerdings dürften wohl die massiven Kursverluste an den Aktienbörsen dies- und jenseits des Atlantiks dafür gesorgt haben, dass die Kursgewinne der Gemeinschaftswährung wieder dahin geschmolzen sind. Allerdings bleibt der Euro innerhalb seiner leicht steigenden Seitwärtsbewegung zwischen 1,1315 und 1,1475 robust, solange 1,1350 nicht unterlaufen wird.

PLN

EUR PLN (4,3200)

Obgleich der gestrige Handelstag für Polen ökonomisch keine wichtigen Neuigkeiten zu bieten hatte, konnte sich der Euro gegenüber dem Vortag wieder etwas befestigen. Wie schon an den Vortagen ist bei der Gemeinschaftswährung immer wieder die Tendenz zu erkennen, die Obergrenze ihrer Konsolidierungszone zwischen 4,2650 und 4,3400/20 testen zu wollen.

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