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Märkte fürchten neue (Banken-)Krise

USD

EUR USD (1,1380)

Vermutlich werden sich nur noch wenige Marktteilnehmer an die verheerende türkische Finanzkrise von 2001 erinnern. Damals waren die Auswirkungen auf Löhne und Beschäftigung dramatisch. Die Ereignisse schufen zudem die Voraussetzungen für eine Verschiebung der politischen Kräfte in Ankara. Nun erlitt die türkische Lira am vergangenen Freitag den größten Tagesverlust seit besagter Krise. Ein Umstand, der nicht allein in der Finanzmarktgemeinde für Aufmerksamkeit sorgte. Vielmehr hat der Lira-Crash dazu geführt, dass nun von einer möglichen Finanz- und Bankenkrise gesprochen wird, die gegebenenfalls sogar auf die Eurozone überzuschwappen drohe. So verwundert es nicht, dass am vergangenen Freitag Schlagworte über die Ticker der Nachrichtenagenturen liefen, die lange nicht mehr zu lesen oder zu hören waren. „Wirtschaftskrieg“, „Bankenkrise“ und „Zahlungsausfall“ sind drei der markanten Beispiele, die ihren Weg auch allesamt in die Schlagzeilen der Wochenendzeitungen fanden. Daran war gut zu erkennen, dass sich nicht nur Finanzmarktspezialisten mit dem Einbruch der türkischen Lira befassten, wie es noch während der ersten Jahreshälfte der Fall war. Denn zu dieser Zeit war die türkische Währung längst auf Talfahrt. Bis auf wenige Währungs- und Anleiheexperten hat sich mit diesem Kursverfall jedoch kaum einer intensiv beschäftigt. Der Tagesverlust fiel mit rund 19 Prozent gegenüber Dollar und Euro am Freitag aber so spektakulär aus, dass auch in nicht finanzspezifischen Medien so umfassend darüber berichtet wurde, wodurch sogar Privatanleger hellhörig wurden. Damit dürfte die Gefahr, die von der massiven Lira-Abwertung ausgeht, allseits wahrgenommen worden sein. Denn türkische Unternehmen, die sich in ausländischen Währungen (überwiegend Dollar und Euro) fremdfinanziert haben, stehen nun ernsthaften Problemen gegenüber: Ihren Schuldendienst (Zins- und Tilgungszahlungen) müssen sie in US-Dollar oder Euro leisten und dieser wird somit kontinuierlich teurer. Hingegen bricht ihnen die Einnahmeseite durch den drastischen Wertverfall der türkischen Lira weg. Sie trifft es also gleich doppelt hart. Da Banken in der Eurozone ebenfalls mit türkischen Unternehmen bzw. Banken in Verbindung stehen und türkische Engagements im Laufe der vergangenen Jahre durchaus nennenswerte Größen erreicht haben, fürchten Investoren nun, dass Euroland-Institute ebenfalls umfangreiche Verluste davontragen könnten.
Der Euro hat am Freitag sehr sensibel auf diese Befürchtungen reagiert und ist von Händlern barsch aus seiner Konsolidierungszone befördert worden. Die hieraus resultierende Abwärtsbewegung hat sich wie erwartet entfaltet und kann sich in Richtung 1,1330 (nach unten angepasst) weiter ausweiten.

GBP

EUR GBP (0,8920)

Briten waren über lange Zeit verwöhnt. Sie belegten in der Liste der weltweit am schnellsten wachsenden Industriestaaten stets Spitzenränge. Seitdem sich das Pfund aber vor zwei Jahren, mit dem EU-Ausstiegsvotum, auf Talfahrt begab, hat sich die Situation geändert. Teuerung beschleicht Großbritannien, die Zinsen steigen. Am Freitag musste Finanzminister Philip Hammond eingestehen, dass sich die Unsicherheit rund um den Brexit „dämpfend auf das Wirtschaftswachstum auswirkt“. Einziges Trostpflaster: Im zweiten Quartal ist die britische Wirtschaft ein wenig stärker gewachsen als die der Eurozone. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zum Vorquartal um 0,4 Prozent zu – Euroland schaffte hingegen nur 0,3 Prozent. Dies ist Hammond natürlich zu wenig, weshalb er am Freitag Unternehmer davon zu überzeugen versuchte, dass sich die Aussichten langfristig verbessern würden – unter anderem durch die Ankündigung, öffentliche Investitionen ankurbeln zu wollen. Der Finanzminister versprach, 780 Millionen Pfund in die High-Tech-Industrie fließen zu lassen. Dies klingt zwar positiv. Jedem dürfte aber bewusst sein, dass in erster Linie ein geordneter EU-Ausstieg, solide ausgearbeitete Handelsabkommen sowie ein relativ niedriges Zinsniveau Garanten eines dauerhaft wiedererstarkenden Wirtschaftswachstums darstellen. In diesen Punkten muss die britische Regierung bzw. Notenbank ihr Können allerdings erst noch beweisen. Pfund-Händler haben am Freitag jedenfalls schon einmal Gefallen an den BIP-Zahlen gefunden. Der Euro hat den Löwenanteil seines bis zur Wochenmitte angehäuften Gewinns wieder abgeben müssen. Sein Aufwärtstrend verläuft aber nach wie vor zwischen 0,8885 und 0,9065.

EUR

EUR CHF (1,1300)

Der Absturz der türkischen Lira und der parallele Kursverfall des russischen Rubel sind für zahlreiche Marktteilnehmer zum Risiko für das Finanzsystem der Eurozone avanciert. Für manche erwächst hieraus sogar die Gefahr einer erneuten Finanzkrise. Kein Wunder, dass sich Investoren während der letzten beiden Handelstage lieber vom Euro getrennt und dem Schweizer Franken den Vorzug gegeben haben. Der kurzfristige Euro-Abwärtstrend hat am Freitag an Fahrt gewonnen und dabei sogar das bisherige Jahrestief unterboten. Die Situation des Euro bleibt heikel, da die Möglichkeit weiterer Kursverluste bis 1,1260 oder gar 1,1220 freigelegt wurde. Entwarnung kann erst jenseits von 1,1520 gegeben werden. Davor findet sich bei 1,1460 eine weitere Hürde.

PLN

EUR PLN (4,3070)

Die jüngsten Turbulenzen um den Einbruch der türkischen und russischen Währungen haben sich zum Wochenschluss deutlich auf die Finanzierungskosten der Schwellenländer durchgeschlagen. Dies wurde besonders deutlich, da sich sogar der an sich schwache Euro gegen zahlreiche dieser Währungen durchsetzen konnte. Gegenüber dem Zloty stieg er zeitweise jenseits der 4,30er Marke, wobei die Umkehr seiner seit Anfang Juli währenden Schwächephase aber eines Sprungs oberhalb von 4,3110 bedurft hätte, was ihm jedoch nicht ganz gelang. Mit kurzfristiger Nachfrage ist nun bei 4,2720 zu rechnen.

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