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Alles nur eine Übertreibung?

USD

EUR USD (1,1325)

Eigentlich hätte es gestern mehrere Möglichkeiten für den Euro gegeben, sich erholen zu können. Angefangen von ökonomischen Daten, die für die Eurozone, zumindest was die Revision des zweiten Quartals in Sachen Wachstum anging, auf der positiven Seite überraschten. Auch könnte man den etwas besser als erwartet ausgefallenen ZEW-Index als zumindest kleinen positiven Einflussfaktor für den Euro werten. Und selbst die Entwicklung der türkischen Lira, die sich gestern gegenüber dem US-Dollar zumindest nicht weiter im freien Fall bewegte, sondern sogar etwas erholen konnte, hätte dem Euro auf die Füße helfen können. Denn die Ansicht unter den Marktteilnehmern wuchs, dass die Ansteckungsgefahren, die sich aus der Türkei-Krise ergeben könnten, wohl doch nicht so hoch wie ursprünglich befürchtet sein dürften. Vielleicht war die erste Reaktion zu Wochenbeginn auf die Lira-Krise ganz einfach zu kurzschlussartig ausgefallen. Denn im Zeichen der Unsicherheit schauen sich nicht nur Finanzmarktteilnehmer zunächst nach historischen Vergleichen um. Und einer der naheliegenden Referenzszenarien wurde im Jahr 1997, zum Zeitpunkt der Asienkrise, gefunden. Auch wenn diese Krise über 20 Jahre her war, war sie eben die am leichtesten verfügbare Informationen, um die Dinge in der Türkei in einer ad-hoc-Reaktion einordnen zu können.
Bei genauerem Hinsehen wurde jedoch klar, dass sich etwa auch die US-Notenbank wegen der Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei nicht dazu hinreißen lassen würde, womöglich (wie schon bei früheren Emerging-Markets-Krisen geschehen) die Geschwindigkeit ihrer geplanten Zinserhöhungen zurückzunehmen. So vermitteln etwa die gestrigen impliziten Wahrscheinlichkeiten des CME FedWatch-Tool, dass die Türkei-Krise bislang zumindest keinen bleibenden Einfluss zeitigte: Die Wahrscheinlichkeit für zwei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr liegt mit 70 Prozent auf dem Niveau von vor einer Woche.
Auch wenn die Ansteckungsgefahren nun gebannt zu sein scheinen, darf man nicht vergessen, dass bislang von türkischer Seite noch nichts Nennenswertes unternommen wurde, um das Investorenvertrauen wieder zurückzugewinnen. Immerhin hat das Finanzministerium für Donnerstag eine Telefonkonferenz mit Investoren aus den USA, Europa und dem mittleren Osten geplant, wobei bis zu 1000 Teilnehmer erwartet werden. Allerdings ist noch völlig unklar, zu welchen Ergebnissen diese Konferenz kommen wird. Zumal der türkische Staatspräsident Erdogan auch gestern an seinem harten Kurs festhielt, indem er etwa zum Boykott technologischer US-Produkte aufrief.
Dass sich der Euro gestern dennoch abschwächte, lag vor allen Dingen an der anhaltend starken Dollar-Nachfrage. Dass diese ungebrochen ist, verdankt sich nicht nur der Risikoaversion der Marktteilnehmer. So zeigte etwa die jüngste Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch, dass internationale Vermögensverwalter US-Aktien so stark übergewichteten wie zuletzt im Januar 2015. Und da man in der gleichen Umfrage auch das größte Extremrisiko nach wie vor in einer Ausweitung des Handelskriegs sieht, scheint es nur naheliegend, dass sich die Investorengemeinde in Richtung Greenback bewegt. Der Euro bleibt demzufolge im Abwärtstrend und hat sein erstes Ziel bei 1,1330 gestern erreicht. Dieser Trend dürfte sich unterhalb von 1,1310/15 sogar noch beschleunigen, dann mit Potenzial in Richtung 1,1185. Die Obergrenze des Abwärtstrends liegt nun in der steilen Ausprägung bei 1,1525.

GBP

EUR GBP (0,8915)

Gestern hatte es zumindest den Anschein, als ob die Brexit-Problematik ein bisschen in den Hintergrund treten würde und somit nach längerer Zeit wieder einmal Fundamentaldaten bei den Pfund-Händlern größere Beachtung fanden. Zum einen fiel die britische Arbeitslosenquote im Juni mit 4,0 Prozent so niedrig wie zuletzt im Jahr 1975 aus und lag darüber hinaus unter den Erwartungen der Ökonomen. Auch erhöhte sich die Produktivität pro Stunde im zweiten Quartal um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Q1 +0,9 Prozent). Diese guten Daten wurden allerdings durch ein leicht enttäuschendes Lohnwachstum etwas getrübt, das für das zweite Quartal bei 2,4 Prozent lag. Auch wenn kaum jemand damit rechnet, dass die Bank of England in diesem Jahr noch einmal die Zinsen anheben wird, stellt ein steigendes Lohnwachstum für die Entscheider im Geldpolitischen Komitee eine Grundvoraussetzung für eine straffere Geldpolitik dar. Am Ende des Tages hat sich der Euro gestern temporär abgeschwächt, konnte sich aber fangen und hat sich seine Chance auf einen Test von 0,9050 erhalten – die Untergrenze des Aufwärtstrends, die in diesem Zusammenhang nicht unterlaufen werden darf, liegt nach wie vor bei 0,8885.

CHF

EUR CHF (1,1280)

Der niedriger als erwartet ausgefallene Produzentenpreisindex im Juli (+0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat) dürfte gestern von den meisten Marktteilnehmern bestenfalls mit einem Kopfnicken quittiert worden sein. Zwar wird die Ansteckungsgefahr der Türkei-Krise mittlerweile etwas nüchterner gesehen, aber die Fluchtbewegung in den Schweizerfranken hat sich gestern wieder verstärkt. Deswegen geriet der Euro wieder unter Druck, dessen Abwärtsrisiko nunmehr sogar bis 1,1215 reicht. Zumindest solange an der Oberseite der erste Stabilisierungspunkt bei 1,1395/00 nicht überwunden wird.

PLN

EUR PLN (4,3070)

Polens Wachstum ist im zweiten Quartal saisonbereinigt um 0,9 Prozent (vorläufig) gegenüber dem Vorquartal gestiegen und lag damit unter den Erwartungen der Ökonomen, gegenüber dem Vorjahr verzeichnete das Bruttoinlandsprodukt wie vorhergesehen aber einen Anstieg um 5,1 Prozent. Allerdings ist der Konsumentenpreiseindex im Juli mit -0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat etwas schwächer als erwartet ausgefallen. Die Jahresinflation lag unterdessen bei 2,0 Prozent, so dass die Zentralbank ihren lockeren geldpolitischen Kurs kaum ändern dürfte: Solides Wachstum ohne Inflationsdruck bedeutet für die polnische Wirtschaft ein sogenanntes Goldilocks-Szenario. Allerdings hat sich die Position des Zloty gegenüber dem Euro gestern kaum verändert. Dieser könnte, ohne dass dabei ein Aufwärtstrend vorliegt, bis auf 4,3395 vordringen. Allerdings bleibt die Unterseite weiterhin schlecht unterstützt, so dass wir erste gute Nachfrage nicht vor 4,2740 erwarten.

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