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Brexit-Deal: Nur ein Etappensieg

USD

EUR USD (1,1290)

Schenkt man der jüngsten Umfrage von BofA Merrill Lynch Glauben, gehen internationale Fondsmanager davon aus, dass die größte Devisenposition derzeit „long Dollar“ sein soll. Diese belegt unter allen Finanzmarktpositionen nach Einschätzung der Vermögensverwalter derzeit sogar den dritten Platz. Dennoch gab es gestern ein paar Dollar-Korrekturbewegungen, von denen auch der Euro profitieren konnte. Möglicherweise, weil sich EZB-Chefvolkswirt Peter Praet über die Wachstumszahlen der Eurozone für das dritte Quartal, die heute zur Veröffentlichung anstehen, recht gelassen äußerte. Eine etwaige Verlangsamung des Wachstums sei wohl eher vorübergehender Natur, so Praet, der damit in den Kanon seiner EZB-Kollegen einstimmte. Offensichtlich möchte man alles dafür tun, das Anleihekaufprogramm in diesem Jahr zu Ende zu bringen. Und zu Recht betonte der EZB-Chefvolkswirt, dass die Einstellung der Anleihekäufe nicht gleichbedeutend mit einem Entzug der geldpolitischen Unterstützung sei. Tatsächlich darf nicht vergessen werden, dass der riesige Bestand an erworbenen Anleihen und die damit verbundene Wiederanlage fälliger Papiere der Konjunktur weitere Impulse geben dürften.
Gespannt durfte man unterdessen auf Italien sein, für das der Abgabetermin für einen geänderten Haushaltsentwurf gestern Nacht abgelaufen war. Medienberichten zufolge gab es, zumindest was die Wachstumsprojektion betrifft, angeblich eine gewisse Bereitschaft, die [zu optimistische] Wachstumsprognose für 2019 von 1,5 auf bis zu 1,1 Prozent zu senken. Da sich das angestrebte italienische Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent in Abhängigkeit vom Bruttoinlandsprodukt bemisst, wären bereits nach Anpassung der Wachstumsprognose deutliche Einschnitte im italienischen Budget erforderlich gewesen. All diese Hoffnungen haben sich allerdings gestern Nacht zerschlagen, weil Italien offenbar an seiner Wachstumsprojektion und an seinem Haushaltsentwurf festhalten wird. Lediglich die Privatisierungen sollen im kommenden Jahr von ursprünglich 0,3 auf 1,0 Prozent des BIP erhöht werden.
Dennoch schienen die Euro-Bullen gestern recht guter Dinge zu sein, zumal das Tagestief fast exakt auf Vortagesniveau notierte und sich für manchen Akteur daher ein kleiner Zwischenboden im Abwärtstrend gebildet hatte. Allerdings bleibt der Druck auf den Euro bestehen, da das Potenzial des derzeitigen Abwärtstrends bis 1,1175 reicht. Und dessen Dynamik bleibt erhalten, solange sich der Euro unterhalb von 1,1325 bewegt. Die Trendobergrenze ist allerdings wesentlich weiter entfernt, bei 1,1450/55.

GBP

EUR GBP (0,8685)

Bereits den ganzen Tag über kursierten gestern Meldungen, dass es schon bald einen Brexit-Deal geben könne. So verbreitete etwa schon gestern Vormittag der stellvertretende britische Premierminister David Lidington in einem Interview mit der BBC diesbezüglich einen vorsichtigen Optimismus. Und das, obwohl vorher ein Medienbericht die Runde gemacht hatte, wonach Brexit-Minister Dominic Raab mit den jüngsten Entwürfen zu einem Brexit-Abkommen recht unglücklich gewesen sein soll. So sollen sich Vertreter der EU und des Vereinigten Königreichs zunächst auf einen Text geeinigt haben, wie man eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland vermeiden könne.
Am frühen Abend war es dann soweit: Die EU und das Vereinigte Königreich hatten sich auf einen vorläufigen Brexit-Vertrag geeinigt. Diesen muss nun Premierministerin Theresa May ihrem für heute einbestellten Kabinett „verkaufen“, bevor es im "Brexit-Endspiel" weitergehen kann. Denn obgleich nun ein Vertragstext aufgesetzt ist, kann es natürlich noch politische Einwände sowohl von britischer, aber auch von EU-Seite geben. Und diese Bedenken traten bereits kurz nach der Brexit-Erfolgsmeldung zu Tage. Sowohl der für Theresa May wichtige Regierungspartner, die nordirische DUP, als auch Mitglieder aus der eigenen Partei zeigten sich kritisch, und die oppositionelle Labour-Party machte bereits deutlich, dass sie dem Brexit-Abkommen nicht zustimmen würde. Zunächst hatte sich Sterling aufgrund der positiven Stimmung des gestrigen Handelstages deutlich befestigt und auch den Euro eindrucksvoll im Rahmen des vorherrschenden kurzfristigen Abwärtstrends unter Druck gesetzt. Dessen Potenzial reicht nun zwar bis 0,8635, möglicherweise auch 0,8595. Sollte allerdings die erste Brexit-Euphorie enttäuscht werden und Theresa May womöglich ihr Kabinett heute nicht auf ihre Seite bringen, kann dieser Trend recht schnell beendet werden. Dies wäre bereits nach Überschreiten von 0,8775 der Fall.

CHF

EUR CHF (1,1365)

Die gestrige Veröffentlichung des Schweizer Produzentenpreisindex für den Monat Oktober lag mit einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwas über den Erwartungen. Allerdings blieb dieses Datum ohne Auswirkung auf den Wechselkurs. Im Gegenteil: Der Euro konnte sich gestern sogar etwas erholen, bleibt aber in seiner breiten Konsolidierung zwischen 1,1310 und 1,1490 gefangen.

PLN

EUR PLN (4,2925)

Der Euro hat seinen Stabilisierungspunkt bei 4,3060 gestern nur um wenige Stellen verfehlt. Vielleicht auch weil der gestern publizierte Inflationsbericht der Polnischen Nationalbank mit leicht erhöhten Prognosen aufwartete. So wurde zwar die Inflationsprojektion für das laufende Jahr bei 1,8 Prozent belassen, aber für 2019 gegenüber der Juli-Prognose von 2,7 auf 3,2 Prozent erhöht. Im Jahr 2020 soll der Konsumentenpreisindex aufs Jahr gerechnet bei 2,9 Prozent verharren. Hinsichtlich des Wachstums ist die Zentralbank für das laufende Jahr mit 4,8 Prozent gegenüber dem Juli-Wert (4,6 Prozent annualisiert) etwas positiver eingestellt, während die Werte für 2019 und 2020 geringfügig zurückgenommen wurden (3,6 bzw. 3,4 Prozent). Damit bleibt der Euro dem Risiko ausgesetzt, dass er in Richtung 4,2650, abdriften könnte, solange oben genannter Stabilitätspunkt nicht überwunden wurde.

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