Globale Themen

Draghi einmal falkenhaft

USD

EUR USD (1,1740)

Eigentlich hätte es gestern ohnehin kein richtig guter Tag für den Euro werden dürfen. Natürlich könnte man argumentieren, dass der ifo-Geschäftsklimaindex etwas besser als erwartet ausgefallen war. Aber dieses Datum hat den Euro auch nicht bewegt. Stattdessen haben die Renditen italienischer Staatsanleihen gegenüber Freitag wieder deutlich angezogen, obwohl der italienische Premierminister Giuseppe Conte zu den Gesprächen zum Haushalt und der Neuverschuldung äußerte, man habe Fortschritte gemacht. Heute früh soll es nun soweit sein, dass die Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Partei und Lega Nord den wirtschaftlichen und fiskalischen Zielen für die Jahre 2019 bis 2021 zustimmen wird. Dass die Marktteilnehmer diese positiv anmutende Ansicht offenbar nicht teilen, ist unter anderem neuerlichen Statements von Luigi Di Maio, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Fünf-Sterne-Partei, zu verdanken. Dieser betonte, dass das Grundeinkommen für die Bürger – im Wahlkampf versprach er ein bedingungsloses Grundeinkommen von 780 Euro pro Kopf – im Haushalt festgeschrieben würde. Um jedoch noch weitere fiskalpolitische Maßnahmen durchführen zu können, scheint die Koalitionsregierung eine Neuverschuldung von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, möglicherweise auch mehr, anzustreben. Ins selbe Horn stieß der ökonomische Berater der Lega Nord, Claudio Borghi, der davon ausgeht, dass ein Defizit von 2,5 Prozent nicht nur glaubwürdig sei, sondern auch die Märkte beruhigen würde. Wir erinnern uns: Borghi gilt als Euro-Gegner. Streit ist auf jeden Fall programmiert, denn der parteilose Finanzminister Giovanni Tria möchte bekanntermaßen das Defizit zwischen 1,5 und 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts halten. Aber eine Neuverschuldung knapp unter der von ihr festgelegten Defizitgrenze von 3 Prozent des BIP würde die EU wohl ebenfalls nicht kalt lassen.
Dass der Tag letztlich für den Euro zumindest temporär ganz positiv verlief, ist wohl einigen Sätzen von EZB-Präsident Mario Draghi zu verdanken. Dieser hatte nämlich bei einer Rede in Brüssel unter anderem geäußert, er sehe nicht nur weiter steigende Löhne, sondern auch eine recht kräftig anziehende Inflation in der Eurozone voraus. Dieses für Draghis Verhältnisse recht falkenhafte Statement sorgte zumindest dafür, dass der Euro vorübergehend seine Verluste vom Freitag mehr als wettmachte. Trotz der relativ schwachen Kurse zum Handelsschluss bleibt der Euro nach wie vor im Aufwärtstrend mit Potenzial bis 1,1845/50 und 1,1910 – unter der Voraussetzung, dass 1,1660/65 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8960)

Sterling verbrachte gestern einen recht volatilen Handelstag und konnte gegenüber dem Euro am Ende sogar minimal zulegen. Ein Teil der gestrigen Diskussionen bezog sich dabei auf den Sondergipfel zwischen der EU und Großbritannien, der für November geplant ist. Zu den Gegnern dieses Gipfels zählt übrigens auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Und tatsächlich könnte man behaupten, dass dieser Sondergipfel nicht viel mehr als ein Akt der Verzweiflung ist. Denn mit diesem, von vornherein festgelegten Termin geht man, so die Logik der Gegner, bereits jetzt davon aus, dass beim EU-Gipfel im Oktober in Sachen Brexit nichts Nennenswertes herauskommen wird. Doch bereits weit vor dem Salzburger Treffen gab es schon einmal die Idee des November-Termins, da beim EU-Gipfel im Oktober die nicht ganz unwichtige und längst nicht beseitigte Drohung der Trump-Administration, Strafzölle auf EU-Kraftfahrzeug-Importe zu erheben, voraussichtlich einen zu großen Raum einnehmen würde. Abgesehen davon, dürfte die britische Regierung diese Zeit benötigen, um den totgesagten Chequers-Vorschlag zu überarbeiten. Dabei hat Premierministerin Theresa May nicht nur das Problem, ihre eigene Partei wieder auf Linie zu bringen. Denn auch ein überarbeiteter Brexit-Vorschlag bedürfte vor allem hinsichtlich der irischen Grenzproblematik auch noch der Zustimmung des nordirischen Koalitionspartners, der DUP, um das Unterhaus zu passieren. Am Ende des Tages blieb der Euro leicht unterhalb der Mitte seiner Konsolidierung zwischen 0,8850 und 0,9100.

EUR

EUR CHF (1,1350)

Auch in der Woche zum 21. September zeigten sich die von den Geschäftsbanken unterhaltenen Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank wenig verändert. Damit sind auch mancherorts geäußerte Spekulationen, die SNB könnte zugunsten des Euro in der vergangenen Woche interveniert haben, obsolet geworden. Tatsächlich gelang es gestern der Gemeinschaftswährung – unter anderem wegen der Entwicklung der Renditen italienischer Staatsanleihen etwas überraschend –, ihren Stabilitätspunkt bei 1,1325 überzeugend zu überwinden, um dem Euro im Rahmen seiner breiten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1390/95 (modifiziert) etwas mehr Platz zu verschaffen.

PLN

EUR PLN (4,3020)

Ohne neue ökonomische Daten gab es gestern kaum Bewegung im Zloty. Am Ende des Tages rutschte der Euro zeitweise allerdings unter die Mitte seiner breiten Konsolidierungszone, die nach wie vor zwischen 4,2600 und 4,3420 verläuft.

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