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Nachwehen eines Interviews

USD

EUR USD (1,1450)

Auch gestern schien bei einigen Akteuren das TV-Interview des stellvertretenden Fed-Chefs Richard Clarida vom Freitag noch nachzuwirken. Zumindest gab es hier und da immer noch Befürchtungen, die US-Notenbank könne ihren Zinserhöhungszyklus womöglich verlangsamen. Allerdings ist das Interview von Clarida bei Licht betrachtet gar nicht so vorsichtig gewesen, wie es mancherorts interpretiert wurde. Tatsächlich bestätigte er zwar, dass sich der Leitzins dem sogenannten neutralen Zins angenähert habe. Doch selbst innerhalb der Fed weiß man nicht so genau, wo sich dieser Zins, bei dem das Wachstum weder gehemmt noch gefördert wird, genau befindet. Die Schätzungen diesbezüglich lagen nach der September-Sitzung der Fed-Entscheider zuletzt zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Ausgehend von einem Leitzins von derzeit 2,0 bis 2,25 Prozent sind also drei bis vier Zinsschritte à 25 Basispunkte notwendig, um in die Mitte dieser Zone zu gelangen. Ein Blick auf das CME FedWatch Tool zeigt jedoch, dass sich die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens drei Zinserhöhungen bis Ende 2019 mittlerweile drastisch verringert hat und aktuell nur noch 34 Prozent beträgt. Zum Vergleich: Vor einem Monat betrug diese Wahrscheinlichkeit noch 60 Prozent! Mit anderen Worten: Der Markt hat umgedacht. Daran hat auch eine Rede vom Chef der Fed von York, John C. Williams, nichts geändert. Dieser betonte zwar, dass sich die US-Wirtschaft in robuster Verfassung befinde, was insbesondere für den Arbeitsmarkt gelte. Aber da dieses Statement ohnehin von einem Zinsfalken kam, fand es im Markt wenig Beachtung.
An den Euro-Händlern muss gestern auch vorbeigegangen sein, dass sich der Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit wieder deutlich ausgeweitet und mit zeitweise 323 Basispunkten den höchsten Stand seit dem 25. Oktober erreicht hatte. Während die Anleihehändler bereits drohendes Ungemach zwischen Italien und der EU wieder zunehmend einpreisen, schien die unverändert starre Haltung Italiens, am Budgetdefizit von 2,4 Prozent des BIP für das Jahr 2019 sowie der Wachstumsvorhersage von 1,5 Prozent festhalten zu wollen, die Devisenhändler nicht zu beeindrucken. Vielmehr hat der Euro auch infolge der gestrigen Dollarschwäche seinen bisherigen Abwärtstrend gebrochen und ist nun in eine Seitwärtsbewegung eingeschwenkt. Deren Begrenzungen liegen derzeit mit 1,1215 und 1,1585 recht weit auseinander. Doch bereits mit Unterlaufen von 1,1310 – bis dahin bleibt der Euro stabil – würde ein neuer kurzfristiger Abwärtstrend eingeleitet.

GBP

EUR GBP (0,8885)

Die leicht verbesserte Position der britischen Premierministerin hat sich gestern zwar nicht in einem steigenden Pfundkurs niedergeschlagen, aber zumindest gab es am Ende des Tages keine neuerlichen größeren Kursverluste. Es kann sein, dass die 48 Briefe, die notwendig sind, um ein Misstrauensvotum gegen die britische Premierministerin einzuleiten, tatsächlich noch zusammenkommen. Aber einem Bericht der britischen Zeitung Sun zufolge soll der Aufstand der Brexiteers etwas ins Stocken geraten sein, weil angeblich erst 42 dieser Briefe beim 1922 Committee (Stand gestern) eingegangen sind. Am Abend wurde allerdings bekannt, dass offensichtlich zwei weitere Briefe hinzugekommen sind, wobei völlig unklar bleibt, wie groß die Zahl der bislang an das Komitee verschickten Briefe tatsächlich ist.
Überhaupt scheint es, als ob Theresa Mays Karten gar nicht so schlecht gemischt sind, wie ursprünglich vielerorts vermutet wurde. So kann sich die Premierministerin hinsichtlich ihres Brexit-Plans offenbar auf die Unterstützung der britischen Industrie stützen. Dazu mag auch der Vorschlag von EU-Chefunterhändler Michel Barnier beigetragen haben, wonach man die Übergangsphase für einen Brexit bis zum Dezember 2022 ausdehnen könne. Außerdem deutete der frühere britische Brexit-Minister David Davis an, dass es wohl nicht zu einem Misstrauensvotum kommen wird, er aber davon ausgehe, dass Theresa Mays Brexit-Deal nicht das Unterhaus passieren werde. Gut möglich, so ein Kommentator, dass die Brexiteers etwaige Umsturzpläne auch deswegen nicht ernstlich verfolgen, weil die Angst vor einem zweiten Brexit-Referendum mit ungewissem Ausgang im Falle einer Demission Mays umgeht. Allerdings darf man bei allen Diskussionen zum Brexit-Deal ohnehin nicht vergessen, dass es auch noch 27 EU-Staaten gibt, von denen einige Bedenken gegenüber dem derzeitigen Entwurf hegen könnten. Damit bleibt der Euro nach wie vor im oberen Bereich seiner Seitwärtszone zwischen 0,8700 und 0,9025.

CHF

EUR CHF (1,1370)

Zumindest der Schweizer Franken hat gestern dank einer leicht aufgekommenen Risikoaversion infolge der deutlich gestiegenen italienischen Anleiherenditen etwas zulegen können. Damit bekam der Euro innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1500 eine leicht negative Note mit der Tendenz, demnächst die Untergrenze des Feldes zu testen.

PLN

EUR PLN (4,3300)

Gestern gab es ein paar polnische Fundamentaldaten zu begutachten. So stieg die Beschäftigung in Polen im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent, ein Wert, der den Erwartungen der Ökonomen entsprach. Im gleichen Zuge haben sich die Löhne um 7,6 Prozent (erwartet war nur ein Zuwachs von 6,7 Prozent im Mittel) erhöht. Beide Daten konnten dem Zloty allerdings nicht helfen. Tatsächlich belastete die polnische Währung auch gestern der Bankskandal, so dass der Euro weiterhin zulegen konnte. Allerdings befindet sich der derzeitige Aufwärtsimpuls im Rahmen einer Seitwärtsentwicklung zwischen 4,2780 und 4,3460.

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